
Aktive vs reaktive Cybersecurity – Unterschiede, notwendige Tools und der Mehrwert einer ganzheitlichen Strategie
Cybersecurity hat sich in den letzten Jahren zu einem der kritischsten Themen in Unternehmen, Behörden und Organisationen entwickelt. Die zunehmende Digitalisierung, Cloud-Nutzung, der Einsatz vernetzter Geräte und die steigende Professionalisierung cyberkrimineller Gruppen führen dazu, dass Sicherheitsmaßnahmen konsequenter, schneller und intelligenter werden müssen. Dabei spielen zwei grundsätzliche Ansätze eine zentrale Rolle: aktive und reaktive Cybersecurity. Beide verfolgen unterschiedliche Ziele, ergänzen sich aber idealerweise zu einer umfassenden Verteidigungsstrategie.
Aktive Cybersecurity – proaktiver Schutz vor Angriffen
Aktive Cybersecurity umfasst alle Maßnahmen, die darauf ausgerichtet sind, Angriffe zu verhindern, noch bevor sie entstehen oder Schaden anrichten können. Das bedeutet, potenzielle Schwachstellen frühzeitig zu erkennen, Systeme kontinuierlich zu überwachen und Bedrohungen in Echtzeit zu analysieren.
Im Zentrum aktiver Cybersecurity steht der Gedanke der Prävention. Unternehmen versuchen, ihre Angriffsfläche so klein wie möglich zu halten und gleichzeitig die eigene Sicherheitslage permanent zu verbessern.
Zu den typischen Aufgaben der aktiven Cybersecurity gehören:
- Antivirensoftware: Dateiüberprüfungen auf Malware & Schadcode, idealerweise am Perimeter-Eintrittspunkt
- Schwachstellenmanagement (Vulnerability Management): Regelmäßige Scans und Tests, um Sicherheitslücken zu identifizieren und zu schließen (siehe auch Schwachstellen Management bei ProSoft).
- Patch-Management: Zeitnahe Installation neuer Sicherheitsupdates für Systeme, Anwendungen und Geräte.
- Bedrohungserkennung in Echtzeit: Einsatz von KI-gestützten Systemen, um verdächtige Aktivitäten sofort zu erkennen.
- Security Awareness & Training: Schulung der Mitarbeitenden zur Minimierung menschlicher Fehler.
- Red Teaming & Penetration Testing: Gezielte Tests der Verteidigungslinien durch simulierte Angriffe.
Wichtige Tools im aktiven Bereich:
- Malware-Bekämpfung: Im Optimalfall parallele Antiviren-Scans mit mehreren AV-Engines: OPSWAT Anti-Malware-Multiscanner, Datenschleuse und Sandbox u.a.
- Vulnerability Scanner: Nessus, Qualys, OpenVAS u.a.
- Endpoint Detection & Response (EDR) Lösungen: CrowdStrike Falcon, Microsoft Defender for Endpoint, SentinelOne u.a.
- Security Information and Event Management (SIEM): Splunk, IBM QRadar, Azure Sentinel, Sigularity u.a.
- Intrusion Detection/Prevention Systeme (IDS/IPS): Snort, Suricata, Palo Alto Networks, Fortinet
- Penetration-Testing-Tools: Metasploit, Burp Suite, Nmap
- Threat Intelligence Plattformen: Recorded Future, MISP
Diese Werkzeuge arbeiten oft automatisiert, KI-basiert und ermöglichen es Organisationen, Sicherheitsrisiken zu erkennen, bevor Angreifer aktiv werden.
Reaktive Cybersecurity – schnelle Reaktion und Schadensbegrenzung
Während aktive Cybersecurity präventiv arbeitet, greift reaktive Cybersecurity dann ein, wenn ein Angriff bereits erfolgreich stattgefunden hat oder unmittelbar im Gange ist. Reaktive Maßnahmen konzentrieren sich darauf, Schäden zu minimieren, Systeme wiederherzustellen, Angriffe zu stoppen und aus Vorfällen zu lernen.
Wesentliche Zielsetzungen sind:
- eXtended Detection and Reponse: Erkennung und Abwehr von Angriffen über die gesamte IT-Infrastruktur hinweg, wie E-Mail, Netzwerkverkehr, Cloud
- Netzwerksegmentierung & Zero Trust: Trennung der Infrastruktur in isolierte Netzwerkbereiche und damit Schadensbegrenzung
- Incident Response: Strukturierte Maßnahmen zum Umgang mit Sicherheitsvorfällen
- Forensik: Analyse des Angriffs, um Ursprung, Ausmaß und Schwachstellen zu identifizieren
- Wiederherstellung: Rückführung von Systemen in einen sicheren Zustand
- Lessons Learned: Verbesserung zukünftiger Abwehrmechanismen
Reaktive Cybersecurity ist unverzichtbar, denn kein System ist absolut sicher. Selbst umfangreiche Präventionsmaßnahmen können nicht alle Angriffe verhindern – insbesondere Zero-Day-Exploits, Insider-Threats oder komplexe Ransomware-Kampagnen sind Beispiele für Bedrohungen, die im Ernstfall schnellen und gut koordinierten Gegenmaßnahmen bedürfen.
Wichtige Tools im reaktiven Bereich:
- EDR / XDR: Sentinel One, Microsoft Defender for Endpoints
- Netzerksegmentierung durch Firewalls von Microsoft, Cisco, Fortinet, Zscaler u.a.
- Incident Response Plattformen: TheHive, Cortex XSOAR u.a.
- Forensik-Tools: Autopsy, Volatility, EnCase, Datenschleuse, Endpoint Detection Response u.a.
- Backup- und Recovery-Lösungen: Veeam, Rubrik, Acronis u.a.
- Network Traffic Forensics Tools: Wireshark, Zeek u.a.
- Log-Analyse-Werkzeuge: Graylog, ELK Stack, Splunk, LogRhythm u.a.
- Malware-Analysesoftware: Cuckoo Sandbox, Ghidra, MetaDefender Core u.a.
Diese Werkzeuge arbeiten oft automatisiert und ermöglichen es Unternehmen, ASchaden zu begrenzen und zu anlysieren.
Warum beide Ansätze gemeinsam unverzichtbar sind
Obwohl aktive und reaktive Cybersecurity unterschiedliche Schwerpunkte setzen, entfalten sie ihren größten Nutzen erst in Kombination. Eine reine Präventionsstrategie wäre lückenhaft, da unvorhersehbare Angriffe dennoch stattfinden können. Umgekehrt wäre eine rein reaktive Strategie ineffizient und kostenintensiv, da sie Schäden erst nach Eintritt behandelt.
Die Verbindung beider Ansätze bietet zahlreiche Vorteile:
- Ganzheitlicher Schutz
Aktive Maßnahmen reduzieren die Angriffsfläche erheblich, während reaktive Tools sicherstellen, dass im Ernstfall schnell gehandelt werden kann. - Zeitgewinn durch automatisierte Erkennung
Proaktive Tools wie EDR und SIEM systematisieren das Monitoring. Reaktive Prozesse profitieren, da Angriffe schneller erkannt und analysiert werden können. - Kostenreduktion
Jeder verhinderte Angriff spart potenziell immense Kosten. Gleichzeitig minimiert ein gut vorbereitetes Incident Response die Folgeschäden erfolgreicher Attacken. - Erfüllung gesetzlicher Anforderungen
Viele Branchenstandards wie ISO 27001, NIS2 oder der BSI-Grundschutz verlangen sowohl präventive als auch reaktive Sicherheitsmechanismen. - Kontinuierliche Verbesserung
Jeder Incident bringt wertvolle Erkenntnisse für den aktiven Sicherheitsbereich (z. B. neue Regeln, zusätzliche Schulungen, härtere Konfigurationen). - Resilienz statt reiner Verteidigung
Unternehmen werden nicht nur schwerer angreifbar – sie werden widerstandsfähiger, selbst wenn Angriffe erfolgreich sind.
FAZIT:
Aktive und reaktive Cybersecurity sind zwei Seiten derselben Medaille. Während aktive Maßnahmen auf Prävention und laufende Verbesserung der Sicherheitslage ausgerichtet sind, kümmern sich reaktive Maßnahmen um die schnelle Reaktion und Schadensbegrenzung im Falle eines Angriffs. Der Einsatz moderner Tools – von Vulnerability Scannern bis hin zu Forensik-Werkzeugen – ermöglicht eine effiziente Umsetzung beider Ansätze. Erst die verzahnte Kombination beider Strategien schafft eine robuste, widerstandsfähige Sicherheitsarchitektur, die den heutigen komplexen Bedrohungen gerecht wird und Unternehmen langfristig schützt.
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